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Russell Brown: Bringen Sie Ihre Bilder zum Leben!


Der Photoshop-Experte im Interview

When in doubt, hold down the option key - Im Zweifelsfall die Alt-Taste drücken! Für fast jede Lebenssituation weiß Russell Preston Brown eine Tastenkombination, so fest ist er in Photoshop verwurzelt. Als Senior Creative Director von Adobe Systems ist Brown eine lebendige Schnittstelle zwischen den Notwendigkeiten der Software-Entwicklung und der bunten Welt von Designern und Künstlern. Im November 2009 war der auch als "Mad Doc Brown" bekannte Buchautor und Photoshop-Trainer zu Gast auf der Photoshop Convention in München. Katja Leonhardt von Fototools.de hat mit Brown über Doc und die Welt und natürlich Adobe Photoshop gesprochen, das im Februar 2010 seinen 20. Geburtstag feiert. 

  

Fototools.de: Ihre Tipps & Tricks zu Photoshop klingen doch recht vernünftig. Warum das Image des Mad Doc? 

 

Brown: Ich muss Spaß bei der Arbeit haben und mich selber unterhalten. Wie kann man mit einem Tutorial andere motivieren, wenn man selber nicht motiviert ist? 

 

Welches Photoshop-Werkzeug macht Ihnen denn am meisten Spaß?

 

Camera Raw ist sehr spannend. Ich bin alt genug, dass ich noch in der Dunkelkammer gearbeitet habe. Deshalb kann ich das beurteilen: Mit Camera Raw bin ich wieder zurück in der Dunkelkammer. Das Tool bietet tolle Möglichkeiten, um einen Ausdruck von einem Negativ zu erstellen. Und wenn man als Profi-Fotograf nicht viel Zeit hat, kann man eine Einstellung gleich auf viele Bilder übertragen. Außerdem finde ich Photoshops Maskierungswerkzeuge großartig, sie bilden die Grundlage für alle kreativen Projekte, egal was. 

 

Welches Werkzeug nutzen Sie gar nicht? 

 

Den Farbeimer. Er füllt eine Auswahl mit Farben. Früher hatte das Tool mal einen Sinn, als es nicht so viele Maskierungsmöglichkeiten gab. Aber heute?   

 

Russell Brown in Aktion als Photoshop-Trainer


Mad Doc Brown hält einen Vortrag auf der Photoshop Convention 2009 in der Alten Messe, München

 

Der Vorläufer von Photoshop wurde für den Film The Abyss eingesetzt. Was war danach der Motor der Entwicklung von Photoshop? 

 

Zunächst benötigte man in der Filmindustrie ein Tool, um verschiedene Dateitypen zu konvertieren. Dann hat man einen Screen für eine Vorschau hinzugefügt: Dies war das Programm Display. Danach kamen Funktionen für Prepress und Druck hinzu. Fotografie spielte erst später eine Rolle. In den Anfängen war Photoshop für Fotografen nur ein Spielzeug . . . 

 

. . . weil man als Fotograf damals nicht mit Computern arbeitete?  

 

Auch das, Anfang und Mitte der 90er hatten die meisten Fotografen in den USA einen PC und keinen Mac. Deshalb mussten wir erstmal eine Windows-Version von Photoshop herausbringen. Und natürlich kamen wirklich professionelle Digitalkameras erst viel später auf den Markt. 

 

Was sind die drei wichtigsten Neuheiten in 20 Jahren Photoshop? 

 

Nummer eins: Photoshop 1.0. Das war der Türöffner - 1990 ein preisgünstiges und einfach zu bedienendes Programm.  Der zweite Meilenstein war die erste Windows-Version, Photoshop 2.5 im Jahr 1992. Und schließlich die Ebenen in Photoshop 3.0. Ich erinnere mich da wie heute dran: Ebenen waren 1994 eine Revolution und brachten für Bildbearbeiter richtig viel Freiheit. Danach kamen natürlich noch mehr: die Einbindung von Illustrator-Dateien, die Text-Engine, Farbmanagement und Proof . . . . 

 

Photoshop ist wie ein altes Gebirge, mit vielen Schichten von Scannerfunktionalität, Prepress bis zur Fotografie. Kann man die Dialoge nicht vereinheitlichen? 

 

Wir versuchen immer, Photoshop zu erneuern und zu vereinheitlichen. Aber es ist nicht zu so einfach, eine Schicht aus einem Berg abzutragen. Vielleicht fallen Nutzer ins Leere und wundern sich: "Wieso ist diese Funktion nicht mehr da?" Aber natürlich müssen wir Photoshop leicher, schneller und besser machen. Aber dies geht nicht über Nacht und wir können die alte Basis nicht einfach wegwerfen. 

 

Was wird in Zukunft die Entwicklung von Photoshop vorantreiben? Video? 3D? 

 

Tja, wenn ich das wüsste...!  Camera Raw bietet eine Menge Potenzial mit seiner nicht-destruktiven Bildbearbeitung. Und ich als Grafikdesigner mag die Tools für das intelligente Skalieren oder die Reparaturpinsel, Masken- und Zeichnen-Tools. Übrigens reden wir viel mit Fotografen und anderen Nutzern. Sie bringen uns viele Ideen für die Weiterentwicklung. Wir brauchen diese Nutzer als Tester, um das beste Produkt machen zu können.

Russell Brown: Senior Creative Art Director bei Adobe Systems


Brown begleitet Photoshop seit den Anfängen. Viele Ideen und neue Funktionen gehen auf seine Anregungen zurück

 

Ist Photoshop eher ein Tool fürs Handwerk, mit dem man seine Brötchen verdient, oder ein Instrument fürs Kreative, für Kunst? 

 

Unglücklicherweise ist Photoshop nicht so einfach einzuordnen. Photoshop ist für jedermann konzipiert. Etwas Spezifisches für Architekten oder so zu entwickeln, das wäre unmöglich. Aber natürlich kann man die Oberfläche von Photoshop anpassen - etwa wenn man hauptsächlich mit 3D-Funktionen arbeiten will. 

 

Wenn man beispielsweise auf Leinwand malt, verleiht schon das Material dem Ergebnis einen Charakter. Kann auch Photoshop Kunstwerken einen solch eigenen Charakter geben? 

 

Wenn man Farbe auf Papier aufträgt, verläuft sie, mischt sich. Gemälde haben so etwas Spontanes, Organisches. Photoshop ist anders. Ich vermute, die Ingenieure würden gerne zu so einem organischen Eindruck kommen - und die Wirklichkeit nachbilden. 

 

Ist dies der Punkt von Kreativität? Die Wirklichkeit nachbilden? 

 

Wenn Sie mit Papier und Bleistift arbeiten, ist nichts zwischen dem Papier und dem Bleistift. Man kann ganz puristisch ein Gesicht zeichnen. Aber der Computer ist wie ein zweites Gehirn. Er interpretiert die Bewegung der Hand. Er lässt etwas aus oder fügt etwas hinzu. 

 

Sie könnten als Zeichner doch genauso gut ein dickeres Papier oder einen spitzeren Bleistift nehmen, das verändert auch die Bewegung der Hand

 

Aber man kann nicht den Charakter des Bleistifts ändern. Am Computer kann man den Stil ändern. Unser Photoshop ist nur ein Werkzeug, mit dem man seine Ideen ausdrücken kann. Ich gehöre noch zur alten Schule: Kreativität muss von außerhalb der Computer-Werkzeuge kommen. Wenn man wirkliches Talent als Künstler oder Designer hat, kann man mit jedem Medium Kunstwerke erzeugen. Photoshop wartet nur auf gute Ideen - bringen Sie Ihre Bilder zum Leben. 

 

Möchten Sie uns noch etwas mitteilen?  

 

Etwas Tiefsinniges? Hm. "Im Zweifelsfall halten Sie die Alt-Taste gedrückt!"

 

 

 

 

Geschrieben von: kalle am 08.01.2010
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