Filterlinsen für Digitalkameras

Objektivaufsätze, meist Fotolinsen oder -filter genannt, verändern und verbessern die Qualität der Fotos schon bei der Aufnahme. Dies spart Zeit, da sie eine Bildbearbeitung am Rechner in vielen Fällen unnötig machen. Jedoch sind nicht alle Filterlinsen sinnvoll. Wir zeigen, welche Filter sich lohnen und wie Sie diese richtig einsetzen.

Vergütung von Filtern

Fast alle Glasfilter besitzen eine Oberflächenvergütung zur Sicherung der Qualität. Bei Kunststofffiltern hat sich das Verfahren jedoch aus herstellungstechnischen Gründen nicht durchgesetzt: Ein wichtiger Grund, warum man sich, wann immer möglich, für Glasfilter entscheiden sollte. Im Fachhandel werden Linsen in mehreren Qualitätsstufen der Vergütung angeboten, von der Einfachvergütung bis zur aufwendigen Mehrfachvergütung aus mehreren Lagen. Statt von „Vergütung“ wird oft auch von „Entspiegelung“ gesprochen. Beide Ausdrücke bezeichnen jedoch ein technisches Verfahren, bei dem durch aufgedampfte Schichten der Übergang von dem optisch dünnen Medium Luft zum optisch dichten Medium Linsenglas angeglichen wird. Dadurch sinkt der Reflexionsgrad, auch Geisterbilder sowie Streulicht lassen sich vermeiden.

Nahlinsen

Durchaus sinnvoll ist die Nutzung von Nah- beziehungsweise Makrolinsen an Digitalkameras. Diese Linsenart verringert die Nahgrenze eines Objektivs, sie verkürzt also den minimalen Abstand zwischen Objektiv und Motiv, in dem die Kamera noch scharf stellen kann. Die Stärke einer Nahlinse wird in der Einheit Dioptrien angegeben. Beim Übereinanderlegen mehrerer Makrolinsen addiert sich die Dioptrienzahl. Je höher dieser Wert, umso geringer wird der mögliche Abstand zwischen Objektiv und Motiv. Durch den Linsenschliff stellt sich ein Vergrößerungseffekt ein, wie man ihn von Lupen kennt: Obwohl der reale Abstand zwischen Objektiv und Motiv sehr klein ist, wirkt er im Bildausschnitt ziemlich groß. Allerdings werden auch mit zunehmender Dioptrienzahl auch optische Fehler verstärkt. Bei der Verwendung von Nahlinsen kommt es nicht selten zu Vignettierungen, der Bildrand eines Fotos wird dunkler. Zudem können sich auch Randunschärfen und Farbsäume bilden. Diese lassen sich während der Aufnahme nur durch die Verwendung von sehr teuren so genannten Achromaten mindern.

Polarisationsfilter

[SCREEN:1]Diese Filter werden beim Fotografieren häufig für zwei Anwendungen eingesetzt: Entspiegeln und Farbintensivierung. Blauer Himmel etwa lässt sich abdunkeln und erhält eine tiefblaue, teilweise fast schwarze Farbwirkung. Das funktioniert allerdings nur, wenn in einem 90-Grad-Winkel zum Sonnenlicht fotografiert wird. Bei unklaren Lichtverhältnissen wie Dunst am Himmel ist der Effekt bestenfalls noch schwach wahrzunehmen. Auch zum Entspiegeln von reflektierenden, nichtmetallischen Oberflächen erweisen sich Polfilter als nützlich, denn es lassen sich mit ihnen Reflexe auf Glas oder Wasser beseitigen. Aber auch hier ist der Winkel entscheidend. Gute Ergebnisse erzielt man mit einem Aufnahmewinkel von ungefähr 40 Grad. Die Stärke des Effekts wird durch Drehung des Filters eingestellt. Doch Achtung: Durch Polarisationsfilter entsteht ein Lichtverlust von zwei Blenden für das Objektiv. Die Optik unterscheidet zwei Arten von Polfiltern, lineare und zirkulare Polarisationsfilter. Zwar unterscheiden sich beide Typen nicht in ihrer Wirkung, aber bei linearen Polfiltern kann es zu Problemen mit dem Autofokus kommen.

Infarotfilter

Bei Aufnahme mit diesem Filtertyp werden für das menschliche Auge sichtbare Lichtwellen herausgefiltert. Nur Wellen des für Menschen nicht wahrnehmbaren Infrarotbereichs gelangen durch die Linse und treffen auf den IR-Bildsensor der Kamera. Dies bewirkt auf Fotos den berühmten „Schnee-Effekt“: Landschaftsaufnahmen wirken, als wären sie im Winter im Schwarz-Weiß-Modus entstanden. Infrarotlicht wird nicht von Dunst oder leichtem Nebel gebrochen. So können auch Motive aufgenommen werden, die sonst Auge und Kamera verborgen blieben. Allerdings gilt es zu beachten, dass für Infrarotfotos längere Belichtungszeiten nötig sind. Bei der Wahl des richtigen Filters helfen die Angaben auf dem Filterring. Diese geben die Wellenlänge des Lichts in Nanometer, das das Filter durchlässt. Für die meisten Digitalkameras ist ein Wert von 720 Nanometer gut geeignet. Allerdings kann es bei Infrarotaufnahmen zu Problemen mit dem Autofokus und der Belichtungsmessung kommen. Dann muss das Objektiv manuell fokussiert beziehungsweise eine Belichtungsmessung vorgenommen werden.

Graufilter

[SCREEN:0]Um die Belichtungszeit einer Aufnahme zu verlängern, werden häufig Grau- oder Neutraldichte(ND)-Filter verwendet. Diese ermöglichen es, auch bei sehr hellen Lichtverhältnissen mit offner Blende zu fotografieren, ohne das es zur Überbelichtung kommt. In der fotografischen Praxis werden diese Filter vor allem für Bilder mit geringer Tiefenschärfe verwendet, etwa für Porträtaufnahmen im Außenbereich. Bei sehr hellem Umgebungslicht müsste hier ohne Graufilter abgeblendet werden, um eine Überbelichtung der Aufnahme zu vermeiden. Ein bekannter Effekt stellt sich ein, wenn mit einem Graufilter fließendes Wasser bei starkem Sonnenlicht fotografiert wird. Indem der Filter den Lichteinfall reduziert, verlängert sich zugleich die Belichtungszeit – das Wasser verschwimmt, bekommt eine weiche, nebelähnliche Anmutung, während die Umgebung scharf abgebildet wird. Die Effektstärke des Filters wird allgemein mit dem Faktor angegeben, um den sich die Belichtungszeit verlängert („nX“). Werden für Aufnahmen mehrere Graufilter eingesetzt, erhält man die Effektstärke durch Multiplikation der Faktoren – zwei 4-fach Graufilter ergeben also eine Stärke von 16X. Seltener wird die Stärke auch in Blendenstufen oder Dichte angegeben. Bei einem Filter mit 16-facher Verlängerung sinkt die Blendeneinstellung um vier Stufen. Einen wirklich wahrnehmbaren Effekt erzielt man erst mit einem Filter der Stärke von mindestens 3 Blendenstufen (Filterfaktor 8), für stärkere Effekte wird eher von sechs Blendenstufen (Filterfaktor 64) ausgegangen. Wichtig: Die so entstehenden Belichtungszeiten machen den Einsatz eines Stativs nötig.

UV-Filter

Diese Objektivlinse dient dazu, die ultravioletten Wellen des Lichtspektrums zu blocken. Allerdings zeigt dies in der digitalen Fotografie keine oder nur eine sehr geringe Wirkung, da die Sensoren von Digitalkameras nicht für UV-Licht empfindlich sind. Dennoch wird diese Linsenart recht häufig in der Digitalfotografie genutzt, allerdings als Schutz für die Objektive vor Schmutz und Beschädigung. Bei kritischen Lichtsituationen kann es allerdings durch die zusätzliche Linse zu unerwünschten Reflexionen kommen. Durch die Verwendung von vergüteten, also entspiegelten Filtern kann diesem Problem aber weitgehend vorgebeugt werden.

Sternfilter

Über den Nutzen spezieller Effektfilter für die digitale Fotografie kann man geteilter Meinung sein. Angesichts der Möglichkeiten, die die digitale Bildbearbeitung bietet, sind viele – wie etwa das Sternfilter – nicht notwendig. Dieses verleiht spitzen Lichtern wie Glanzlichtern oder hellen Punkte auf der Aufnahme sternförmige Strahlen. Dieser Effekt lässt sich jedoch in Bildbearbeitungsprogrammen gezielter einfügen. Nur in speziellen Aufnahmesituationen wie beim Ablichten von Wasserflächen erweist sich das Sternfilter als nützlich: In Photoshop würde dabei die Bearbeitung Tausende solcher spitzen Lichter anfallen. Dann ist der Einsatz des Filters effizienter.

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