Test: Farbkorrektur mit Nik Viveza

Wer in der Bildbearbeitung Farben und Helligkeit von einem Bildteil ändern will, muss sich mit zahlreichen Auswahlwerkzeugen herumschlagen. Nik Software will dies mit dem Photoshop-Plug-in Viveza einfacher machen. Fototools hat untersucht, ob das Plug-in Photoshop sinnvoll ergänzt sich die Investition von 250 Euro lohnt.

 

Punktgenaue Korrektur mit Viveza

Um Farben und Helligkeit mit Viveza zu korrigieren, setzt man zunächst per Klick einen Kontrollpunkt in die zu verändernde Fläche. Um diesen Kontrollpunkt herum ist ein Kreis zu sehen. [SCREEN:1]Je nach Größe des Kreises wird auch der zu verändernde Bereich größer oder kleiner: Bei einer Größe von etwa 10 Prozent wird lediglich das nächste Objekt beeinflusst. Bei 100 Prozent dagegen beschränkt sich die Abwandlung nicht auf einen Motivteil, sondern verändert alle Bereiche, die in Textur, Sättigung und Farbigkeit dem des Kontrollpunkts ähnlich sind. Dabei erstellt das Tool auf der Basis des Kontrollpunkts und der Größe des Änderungsbereichs eine Auswahl. Diese ist in Sekundenschnelle angelegt und sehr präzise. Auch bei schwierigen Motiven wie Laub erkennt Viveza die Umrisse ohne Probleme. Sind in einem Bild mehrere Kontrollpunkte gesetzt, stimmt Viveza diese aufeinander ab und sorgt für weiche Übergänge. Vor allem Einsteiger benötigen sehr viel Zeit, um solche Auswahlen in Photoshop mit Lasso, Schnellauswahl oder Kanalmixer zu erstellen.

Farben und Helligkeit mit Reglern steuern

Für die Korrektur stehen acht Regler bereit. Dazu zählen „Kontrast”, „Helligkeit” und „Sättigung” sowie „Farbton” für den Rot-Grün-Anteil und „Wärme” für die Gelb-Blau-Verschiebung. Auch die Farbkanäle „Rot”, „Grün” und „Blau” können einzeln gesteuert werden. Will man einen Bereich von der Korrektur ausnehmen, kann man einen weiteren Kontrollpunkt setzen, dessen Werte für  Kontrast & Co. auf null stehen. Das Ergebnis kann man auch als Vorher-Nachher-Ansicht in einem Splitscreen oder in zwei Screens nebeneinander beurteilen. Ein Kontrollpunkt kann bei Bedarf wieder gelöscht oder auch kopiert werden.

Niks U-Point-Technologie

Die Farbkontrollpunkte basieren auf Niks im Frühjahr 2006 erstmals vorgestellter U-Point-Technologie, die inzwischen außer in Capture NX auch in Niks Fototools Dfine 2 und Color Efex Pro 3 integriert ist. Um einen U-Point-Pixelsatz zu berechnen, liest die Software den RGB-Wert und die Position eines Pixels aus und bestimmt zudem die Werte für den Farbton, die Sättigung und die Helligkeit. In Verbindung mit der vom Anwender gewählten Größe für den U-Point kann Viveza die Grenzen eines Objekts bestimmen, um nur dieses oder ähnliche Objekte zu verändern. In der herkömmlichen Bildbearbeitung werden Belichtungs- oder Farbkorrekturbefehle dagegen meist global auf ein Bild angewendet und bei Bedarf mit einer Auswahl eingegrenzt. Diese Schritte  kann man sich mit Viveza sparen.

Trotzdem benötigt man eine gewisse Einarbeitungszeit, um die passende Größe und die Stärke der Korrekturen für die Farbkontrollpunkte zu finden. Zudem ist mit der Maus bisweilen Präzisionsarbeit nötig, um die sehr klein ausgefallenen Regler zu bedienen.

Auf der nächsten Seite:

  • Viveza im Vergleich mit Photoshops Auswahl- und Korrekturwerkzeugen
  • Viveza als Smartfilter
  • Fazit

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U-Points versus Zauberstab & Co.

Viveza liefert in Sachen Farb- und Helligkeitskorrektur zufriedenstellende Ergebnisse. In Porträts lässt sich über die Kontrollpunkte die Hautfarbe mit wenigen Klicks auffrischen, ohne dass dabei das gesamte Bild beeinträchtigt wird. [SCREEN:5]Hartnäckige Farbstiche wie der Blaustich bei einem Unterwasserfoto lassen sich dagegen beispielsweise mit den Pipetten der Tonwertkorrektur in Photoshop schneller reduzieren. In den meisten Fällen müssen jedoch gerade weniger versierte Pixelkünstler für vergleichbare Ergebnisse mit Tonwert-oder Gradationskurven deutlich mehr Zeit investieren.

Gegenüber den Photoshop-Funktionen „Tiefen und Lichter” und „Selektive Farbkorrektur” hat Viveza den Vorteil, dass es nicht alle Helligkeitsbereiche oder Farbbereiche im Bild ändert, sondern nur die innerhalb eines Objekts. Und die Photoshop-Werkzeuge „Abwedeln” und „Nachbelichten” lassen sich zwar intuitiv wie mit einem Pinsel auf einen Bildteil auftragen, jedoch finden diese Funktionen nicht automatisch die Objektgrenzen, wie dies bei Viveza möglich ist. Das Schnellauswahlwerkzeug von Photoshop CS3 dagegen erkennt die Kanten eines Bildteils. Werden jedoch innerhalb der Auswahl dann Farben und Helligkeit korrigiert, gelingen nicht automatisch so weiche Übergänge wie mit Viveza.

Lightroom 1.3 kommt Vivezas intuitiver Farb- und Helligkeitskorrektur am nächsten. Hier kann der Fotograf ebenfalls Kontrollpunkte setzen und dann direkt im Bild per Scrollrad unter anderem die Helligkeit oder Sättigung anheben oder absenken. [SCREEN:4]Noch weiter scheint Adobe in Lightroom 2 zu gehen: In der öffentlichen Betaversion der Software findet das Tool “Retouch”  von Lightroom 2 ähnlich wie die Schnellauswahl in Photoshop die Objektkanten und verbessert per Pinselauftrag Belichtung und Farbe. Jedoch kommt Lightroom 2 vermutlich im Spätsommer auf den Markt. Erst dann kann man dieses Werkzeug endgültig beurteilen.

Photoshop, übernehmen Sie

Ist die Korrektur mit Viveza erledigt, wird diese auf Wunsch als eigene Ebene nach Photoshop übertragen. [SCREEN:2]So bleiben die Originalpixel unbehelligt. Wer mit der aktuellen Version Photoshop CS3 arbeitet, kann Viveza auch als Smartfilter einsetzen. Dabei lassen sich die Einstellungen auch nach dem Schließen des Dialogs wieder rückgängig machen. Bei Bedarf kann man die Einstellungen von Viveza auch mit dem Malwerkzeug oder dem Radiergummi von Photoshop auf das Bild auftragen. Dazu legt Viveza eine Ebenenmaske an und überträgt die Einstellungen des Farbkontrollpunktes auf beispielsweise den Pinsel. Die für den Kontrollpunkt erstellte Auswahl lässt sich jedoch nicht in Photoshop bearbeiten.

für Mac-User interessant: Seit Mai 2008 bietet Nik Software Viveza auch als Plugin für Apple Aperture 2.1 an.

Fazit

Ob sich Viveza lohnt, hängt vom eigenen Workflow ab. Pixelkünstler werden mit unter anderem Kanalmixer, Pfaden und Gradationskurven von Photoshop CS3 letztlich die gleichen Effekte wie mit Viveza erzielen. Wer dagegen als Profi-Fotograf aus einer großen Menge Fotos das Beste herausholen möchte, für den ist Viveza eine echte Zeitersparnis.

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  • So funktioniert die Farbkorrektur mit Viveza
  • Nik Softwares U-Point-Technologie